how to aktien.
es ist ja so, mit zunehmendem wohlstand wächst die sorge, selbigem wieder verlustig zu gehen und je mehr sich ansammelt, desto größer wird diese angst. dabei ist reichtum tatsächlich nichts direkt erstrebenswertes. erstrebenswert ist die abwesenheit von armut, hunger, gewalt und krankheit. darum soll es aber gar nicht gehen, sondern, wie man sich für das alter ein bescheidenes auskommen ermöglicht.

entweder darf man eine solide rente oder pension erwarten oder man darf das nicht, weil man zum beispiel selbstständig war oder aus anderem grund viele jahre keine rentenbeiträge einbezahlt hat, ohne eine anerkannte ausrede wie ausbildungs-, wehr- und zivildienst- oder kindererziehungszeiten nachweisen zu können.

den unterschied nennen die vertreiber privater altersvorsorgeangebote die rentenlücke. der begriff soll durchaus die angst vor der mittellosigkeit im alter schüren, denn es wollen ja vorsorgeprodukte an die besorgte frau und den geängstigten mann gebracht werden. grundsätzlich ist es sicherlich richtig etwas zurückzulegen und je länger und disziplinierter man dies durchhält, desto brauchbarer wird am ende das ergebnis sein.

das folgende beschreibt eine ergänzung zur gesetzlichen rente. wer kaum eine gesetzliche rente zu erwarten hat, sollte eine kombination aus privater rentenversicherung und dem hier beschriebenen weg mit aktien wählen, um das risiko zu verteilen. sich nur auf die aktien zu verlassen ist riskant, ein totalausfall ist zumindest möglich, es sollte also nicht die einzige säule sein, auf der das spätere auskommen basiert.

realverzinsung vs dax
quellen:
realverzinsung und verbraucherpreisindex: deutsche bundesbank
dax jahresendwerte: finanzen.net
lohnt sich riester? das läßt sich pauschal nicht beantworten, aber nach dem lesen vieler berichte darüber und meiner eigenen erfahrung damit, ist meine persönliche meinung, es mag sich rentieren mit mehreren kindern, da der staat eine kinderzulage zahlt. wenn riester, dann möglichst eine variante mit hohem aktienfondsanteil. die verwaltungskosten von riesterverträgen sind hoch und aktien versprechen über einen langen zeitraum eine bessere rendite als festverzinsliche papiere, zumal in zeiten, in denen das zinsniveau ohnehin im keller ist, wobei die inflationsrate derzeit ebenfalls niedrig und damit die realverzinsung nicht so viel schlechter ist als früher, das sparbuch hat sich selten wirklich rentiert.

wenn also kein riester, was dann? schnell bekommt man fonds oder etfs empfohlen und hier beginnt das problem: die empfehlung. was will der empfehler? wenn es ein bankberater ist, warum muss er sich als bankberater verdingen, wenn er so gute empfehlungen hat? wieso ist er nicht schon längst selbst damit reich geworden? wenn es eine firma ist, warum will sie, dass ich ihre finanzprodukte kaufe? zu meinem besten? das ziel ist, mit unsicherheit und angst geld zu verdienen und zwar mein geld. dafür, dass sie mein geld hoffentlich gewinnbringend anlegen, kassieren sie eine provision und die fehlt dann bei meiner rendite.
(etfs als regelmäßiger sparplan sind meiner meinung nach aktienfonds im zweifelsfall vorzuziehen, wenn man sich gar nicht selbst die finger mit aktien schmutzig machen will. einen guten überblick gibt es auf https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/. wenn etf, dann wäre der msci der index meiner wahl, er bildet über 1.600 aktien aus 23 industrieländern ab.)

je komplizierter das finanzprodukt, desto finger weg. derivate, zum beispiel optionsscheine, finger weg! zertifikate, strukturierte finanzprodukte, finger weg! der zweck eines jeden konstruierten finanzproduktes ist es, dass der anbieter am ende geld damit verdient. wenn die bank hinterher mehr hat, wer hat dann weniger? im besten fall ein anderer marktteilnehmer, im schlechteren fall der kunde selbst. das einfachste finanzprodukt neben dem sparbuch ist eine aktienbeteiligung an einem börsennotierten unternehmen (grauer markt, also nicht börsennotierte beteiligungen, finger weg!). den anteilseignern bezahlt die aktiengesellschaft eine dividende. wie schon oben erwähnt braucht es zum aktienkaufen keinen bankberater und schon gar nicht einen fondsmanager, der sich gut bezahlen läßt für die verwaltung des aktienkorbes.

es gibt mehrere beispiele dafür, dass affen manchmal bessere ergebnisse erzielen, als hochbezahlte investmentbänker, die faz hat das in einem zeitungsartikel einmal schön zusammengefasst.

so verhält es sich meiner persönlichen lebenserfahrung nach mit vielen prognosen sogenannter experten von der langfristigen vorhersage des künfigten bedarfs an fachkräften einer berufsgruppe bis zu vermeintlich einfachen auskünften wie die des wetters von morgen. diese experten verfügen zwar selbstverständlich über kompetenz und können vielleicht auch hinterher erklären, warum bestimmte phänomene eingetreten sind, letzlich sind die systeme aber zu komplex, als dass sich jede wendung voraussagen ließe und der einfluss auf den markt durch das verhalten eines notenbankchefs oder staatspräsidenten ist ohnehin nicht kalkulierbar. wir haben es also viel mit zufall zu tun und das erklärt den erfolg der affen.

so gut wie die affen können wir es auch selbst und damit der erfolg nicht ganz vom zufall abhängt, sollte man einige risikomindernde faktoren berücksichtigen:

isin, limit und handelsplatz. zuerst etwas praktisches. wenn man eine kauf- oder verkaufsorder abgibt, z. b. im onlinebanking, muss man einige angaben machen, z. b. die isin, das ist die internationale wertpapierkennnummer. hier muss man aufpassen, damit man nicht aus versehen das falsche kauft. oft gibt es verschiedene papiere zu einem unternehmen, z. b. auch optionsscheine, die möchten wir nicht. wir möchten aktien kaufen. weiterhin muss angegeben werden, ob die order limitiert sein soll und das ist wichtig. kaufen wir "billigst", kommt der kauf mit dem nächsten gestellten kurs zustande und das kann unangenehme überraschungen geben, wenn die kurse grade am steigen waren. umgekehrt gilt das beim verkauf mit "bestens". ich kaufe und verkaufe nur mit limit, also einer preisgrenze, die beim kauf nicht überschritten bzw. beim verkauf nicht unterschritten werden darf. dafür wird eine limitgebühr fällig, aber das ist wichtig. eine weitere angabe ist der handelsplatz. im onlinebanking werden oft mehrere börsenplätze angezeigt, die kurse sind relativ ähnlich, aber manchmal sind kleinere börsen etwas günstiger. die größte wahrscheinlichkeit, dass das gewünschte geschäft zustande kommt, bieten dennoch die umsatzstärksten handelsplätze. ich wähle daher meistens xetra, falls das papier dort gehandelt wird. aufpassen muss man bei ausländischen börsenplätzen, z. b. wenn man papiere an der schweizer börse oder der hong kong stock exchange kauft. die abrechnung erfolgt dann in der jeweiligen landeswährung und es werden zusätzliche gebühren für auslandsorders fällig. beides ist nicht dramatisch, aber es empfiehlt sich, währungskurs und gebühren vorher geprüft zu haben.

streuung. das aktienportfolio sollte möglichst breit aufgestellt sein in bezug auf länder, branchen, währungen. alles hängt mit allem zusammen und wenn es eine weltweite wirtschaftskrise gibt, dann hilft auch die streuung nicht viel. trotzdem ist es so, dass zum beispiel der wert einer währung im verhältnis zu einer anderen währung gemessen wird und das trifft auch in krisenzeiten zu. wenn also der dollar gegenüber dem euro steigt, verhalten sich in dollar gehandelte papiere stabiler, es ist dann gut amerikanische aktien zu haben. umgekehrt trifft das natürlich genauso zu, also sollten auch in euro gehandelte aktien im portfolio sein. weiterhin papiere, die in franken gehandelt werden und vielleicht noch welche, die in pfund oder hong kong dollar notiert sind. gleiches gilt für die branchen. geht es siemens schlecht, muss es nicht auch der deutschen post schlecht gehen. mischkonzerne, banken und versicherungen, rohstoffhändler, automobil- und pharmakonzerne, it- und telekomunikations-unternehmen, lebensmittelkonzerne, logistikunternehmen sind alles branchen, die zum aktienkauf taugen. sinnvolle würze für das aktiendepot ist eine beimischung von fünf bis zehn prozent gold, z. b. in krügerrand, falls der goldpreis grade mal günstig ist. das bringt keine dividende, erhöht aber die wertstabilität des ersparten.

regelmässig. mal verliert man, mal gewinnen die anderen. bei der regelmässigen anlage in wertpapiere verhält es sich günstiger. der cost average effekt wird meist auf fondssparpläne angewandt, funktioniert aber auch über den aktienmarkt, da meist alle papiere sich mit dem markt auf und ab bewegen und innerhalb dieser marktbewegung individuell steigen und fallen. das prinzip, in regelmässigen abständen den gleichen betrag zu investieren und dabei bei fallenden kursen mehr papiere zu bekommen und bei steigenden automatisch entsprechend weniger zu erhalten, ist gleich. da der kauf von aktien bankgebühren kostet, sollten der regelmässige anlagebetrag sich lohnen und die bankgebühren niedrig gehalten werden. ersteres lässt sich über die kauffrequenz steuern, das kann monatlich, quartalsweise oder auch nur halbjährlich sein. die bankgebühren für aktientransaktionen sind normalerweise am günstigsten bei einem onlinebroker wie consors. ich kaufe grundsätzlich papiere nur dann nach, wenn sich mein einstandskurs nach unten verbessert. ist dies bei keiner position, die ich vergrößern möchte, möglich, kaufe ich ein neues papier, das ich bisher noch nicht im depot hatte (siehe streuung).

auswahl. einer der erfolgreichsten investoren aller zeiten ist warren buffett. buffett mag es, "gewissheiten mit abschlag" zu kaufen. buffett kauft nur dort, wo er das geschäftsmodell vollkommen versteht. das nennt er "kompetenzradius". buffet schaut auf geringe schulden, hohe kapitalrendite und eine gute führungsmannschaft. wir haben weder die möglichkeiten, ein unternehmen zu untersuchen, wie warren buffet sie hat, noch haben wir die kompetenz und auch die zeit haben wir nicht, weil wir das nur nebenbei machen. wie kann man trotzdem die richtige auswahl treffen? wir dürfen fehler machen. die streuung erlaubt uns auch einen fehlgriff. vermeiden - wenn auch nicht ausschließen - lassen sich fehlgriffe, wenn man sich auf blue chips konzentriert, also standardwerte, wie sie in großen indizes wie dem dow jones oder dem dax enthalten sind. es geht bei der auswahl um langfristige wertentwicklung und regelmässige gewinnausschüttung, also die dividende. es geht nicht um kurzfristige kursgewinne. natürlich darf man auch ein unternehmen einstreuen, das einem sympatisch ist oder von dem man denkt, es wird sich in der zukunft noch gut entwickeln. wichtig ist diversifikation und eine breite basis solider papiere im portfolio.

zeit. es geht nicht ums zocken. es geht um langfristige wertentwicklung. schaut man sich die langfristige entwicklung wichtiger indizes, also die durchschnittliche performance einer sammlung bestimmter aktien, zum beispiel im dow jones oder dax an, erkennt man, dass der markt sich im langfristigen trend positiv entwickelt. langfristig bedeutet in jahren und jahrzehnten. wenn es also einen crash gibt und mein portfolio ist von heute auf morgen die hälfte oder weniger wert, dann heißt es nerven bewahren. ist geld übrig, dann ist es ein zeitpunkt, um positionen auszubauen, einstandskurse zu verbessern und bei unternehmen, die bisher nicht im portfolio waren, günstig einzusteigen. es lohnt sich die charts verschiedener indizes anzuschauen, wo standen sie vor zehn jahren, wie haben sie sich entwickelt seit den crashes der vergangenheit. am 24. oktober 1929, in europa als black friday bekannt, gab es einen börsenkrach, der den dow jones um fast neunzig prozent fallen ließ. es dauerte fünfundzwanzig jahre, bis der dow jones den stand vor dem crash wieder einholte. das war der bisher heftigste kursverfall mit der längsten erholungsphase. am black monday, dem 19. oktober 1987, gab es einen weiteren starken kursverfall. der dow jones verlor mehr als zwanzig prozent an einem einzigen tag und es dauerte eineinviertel jahre bis das ursprüngliche kursniveau wieder erreicht war. unterhaltsam und manchmal etwas derb ist die gleichnamige serie black monday mit einer fiktiven story, wie es zum crash kam. 2002 dann das platzen der dotcom-blase, es dauerte vier jahre, bis der dow jones sich erholte, beim crash 2009 dauerte es drei jahre bis zum nächsten all-time-high. der covid-19 crash im märz 2020 als folge einer weltweiten pandemie war heftig aber kurz und innerhalb von nur vier monaten hatte der deutsche leitindex wieder um sechzig prozent zugelegt und schloss auf dem höchsten stand seit dem corona crash im märz. es kam zur meistgehassten rally aller zeiten, denn der crash bot nur für kurze zeit gute einstiegskurse. obwohl die pandemie keineswegs überwunden und die weltwirtschaftlichen auswirkungen noch unklar waren, zogen die kurse rasant an und viele verpassten den einstieg und schauten dem davoneilenden zug hinterher und je weiter der zug weg war, desto riskanter wurde der einstieg, denn die zeichen rechtfertigten keine steigenden kurse und es musste jederzeit mit einer heftigen korrektur gerechnet werden. die märkte sind ein eigenwilliges tier, das nicht immer der logik folgt, aber auf eines kann man sich verlassen: kapitalismus braucht wachstum. eine anlage in solide aktien bei breiter streuung wird langfristig nicht an wert verlieren und sich im verhältnis zur inflationsrate immer besser entwickeln als ein sparbuch. interessant ist hierzu auch ein blick auf das dax "renditedreieck" des deutschen aktieninstituts.

dividende. wird wieder angelegt. bei fonds nennt sich das thesaurierend, ich sehe es einfach als eine art zinseszins-effekt. wichtig zu beachten bei ausländischen papieren ist die ausländische quellensteuer. um doppelbesteuerung zu vermeiden, kann diese zurückgefordert werden. das ist aufwändig, lohnt sich aber.

risiko. es gilt wie immer: je höher die chance, desto höher das risiko und jeder trägt sein risiko selbst. meine erfahrungen dürfen gerne zur inspiration genutzt werden, aber denken, handeln, konsequenzen tragen muss jeder selbst. ich übernehme keine verantwortung dafür, wenn etwas schiefgeht. das ist keine bankberatung. ich persönlich halte das risiko für überschaubar, wenn man oben beschriebene regeln befolgt, ein totalverlust ist trotzdem theoretisch möglich.